Archiv für die Kategorie ‘romatische Jugendprosa’

Pickel steht auf (Schluss)

Veröffentlicht: 2. Juli 2013 von roger in romatische Jugendprosa

In einem enormen Zeitraffer erfasste den Jungen, der sich Pickel gerufen wusste, eine Metamorphose zum Jungmann namens Ben B. Mochten Mädchen auch über den Rest an ihm geteilter Meinung sein … Vor seiner erregt-erregenden Männlichkeit empfanden sie also Ehrfurcht, also zumindest Furcht. In diesem Moment war ein neuer Macho geboren.
Was? Wer das glauben soll?
Stimmt. An der Stelle müsste die Geschichte erst beginnen. Aber man stelle sich vor, jetzt ginge sie so weiter, dass aus dem Pickel-Benjamin ein vorstadtbekannter Entblößer geworden wäre – wäre das nicht traurig?
Oder was könnte denn noch aus ihm geworden sein? Vielleicht ist er zur alten Rolle zurückgeschrumpft, kaum wieder zurück in der alten Umgebung. Eigentlich doch schade, oder?
Oder eines der drei Mädchen ist noch einmal umgekehrt und hat die Rolle übenommen, die Ben den Ameisen zugedacht hatte? Kitschig, oder?
Schweigen wir also darüber, wie es weiter ging und denken uns unsren Teil.
Wenn wir an jener Stelle vorüber wandern und den Ameisenhaufen am Rande der Lichtung entdecken, halten wir Abstand. Was immer sich die Krabbler dort erzählen, sollte ihr Geheimnis bleiben. Ihres und das von einem Jungen, den seine unkameadschaftlichen Klassenkameraden zum Pickel erklärt hatten …

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Pickel steht auf (3)

Veröffentlicht: 25. Juni 2013 von roger in romatische Jugendprosa

Wenigstens ließ sich so manche Ameise auf einen Halm locken, von dort musste sie auf Bens Stamm gehievt und dort auch noch tätig werden, anstatt davonzulaufen. Dies alles verlangte viel Konzentration.
So verpasste Benjamin die Anbahnung des sein weiteres Liebesleben bestimmenden Augenblicks völlig. Er konnte später nur vermuten, dass die drei Mädchen die abgelegene Badestelle als unerwarteten Glücksfall auf ihrer Wanderung empfunden hatten. Sie hatten eine Grube entdeckt, sich dort ausgebreitet. Vielleicht hatten sie vorsorglich ihre Bikinis mitgenommen, vielleicht unter der Sommerkleidung getragen. Als sie auf die Idee kamen, das kurze Stück ins Wasser zu laufen, hatte wohl eine von ihnen den Blick schweifen lassen. Da aber hatte Ben seinen Rücken und im Besonderen dessen Ende, die Pobacken, nach oben gestreckt, sodass letztere wie mümmelnde Maulwurfshügel durchs Gras schimmerten. Neugierig geworden hatten sich die drei durch Zeichen verständigt und angeschlichen. Was und vor allem, warum das Ben dort tat, konnten sie anfangs nicht erkennen, da zwischen der Hand mit dem Halm und dem Blick der Mädchen noch des Jungen Hinterseite auf- und niederwippte. Dies sah allerdings ausreichend komisch aus, dass sich mindestens eines der Mädchen das Feixen nicht verkneifen konnte und infolge dessen auch die anderen nicht.
Dieses Geräusch kam so unvermutet für den Jungen, dass seine gewohnte Unterbewusstseins-Blockade, also alles, was er an Umgangserfahrungen gesammelt hatte, mit einem Mal aussetzte. Und dies – so merkwürdig das scheinen mag – gleichzeitig mit der anerzogenen natürlichen Scham.
Anstatt schnell verschämt nach dem Nächstbesten zu greifen, die eigene Blöße und den Gegenstand des heimlichen Spiels zu verdecken, drehte sich Benjamin Brandlochner vollends zu den Mädchen um und richtete sich zu voller, wenn auch noch nicht vollendeter Größe auf. Allerdings hatte sich das Organ unschuldiger Manneslust im Vorgefühl bevorstehender mikrobiologischer Reizung bereits zu maximaler Größe gestreckt. Es zielte nun mit drohender Macht auf die drei Sommersprossen im Gesicht des rotblonden Mädchens in der Mitte der drei.
Den Mädchen verging das Lachen sofort. Wie weit ihre bisherigen Erfahrungen mit maskuliner Anatomie bereits gingen, ob sie also den auf sie gerichteten Trumm zu vergleichen und bewerten in der Lage gewesen wären, war nicht festzustellen. Der Schreck überdeckte alles. Alle drei quietschten wie Zwölfjährige und ergriffen auf blanken Sohlen die Flucht.
Wie komisch das doch aussah!

Pickel steht auf (2)

Veröffentlicht: 25. Juni 2013 von roger in romatische Jugendprosa

So war der Sommer für ihn Fluchtzeit. Er hatte einen Waldsee entdeckt, richtiger eine Bucht mit einer natürlichen kleinen Badestelle, die nicht genutzt wurde, weil sie so abgelegen war. Wozu sollte man dorthin, wenn es in der Nähe viel bessere Stellen gab. Also nur besser im Sinne, andere zu treffen.
Was konnte man nicht alles tun, wenn man allein sein durfte. Die Stelle sah aus, als hätten vor Jahren Soldaten hier ihre Idiotenspiele getrieben. Zumindest durchzogen Vertiefungen die Lichtung in Ufernähe, die nur als ehemalige Schützengräben, -löcher und Ähnliches zu erklären waren.
Hier konnte sich Pickel hinlegen, nackt und scheinbar fern von allen Zwängen, und Spaziergänger hätten den Weg um den See herum laufen können, ohne den Jungen im Gras, kaum zehn Meter entfernt, bemerken zu müssen.
Meist hatte Benjamin seine Schulsachen mit. Er machte seine Aufgaben, so gut es ging. Er las viel. Er streckte seinen bloßen Hintern in die Höhe und lachte über das angebliche Ozonloch, denn er bekam keinen Sonnenbrand, obwohl er sich mit keinem Lichtschutzfaktorzeug einschmierte. Und er entdeckte sich. Das heißt, entdeckt hatte ihn eine mittelgroße rote Ameise. Die war über seine ruhende Männlichkeit gekrabbelt, und vielleicht hatte sie nur aufräumen wollen. Auf jeden Fall verspürte Ben in dem Ast, der sich an ihm immer mächtiger aufrichtete, plötzlich einen zart stechenden oder brennenden Schmerz. Aber so einen … Also spontan hatte Ben zwar den unverschämten Beißer abgeschüttelt. Später aber hoffte er immer zielgerichteter auf solchen Besuch an jener Stelle. Schon die Erwartung bescherte Ben eine bis dahin ungekannte Lust. War dann einer der roten Lustschmerzkrabbler bissig, dann schien sich der halbe Blutkreislauf an jenem abstehenden Stück zu versammeln. Meist wechselte Ben nach solch einem ihn aus jedem Zeitgefühl herausschleudernden Erlebnis die Stellung, weil die Waldpolizisten danach in Ruhe einen weißlichen Schleimklecks zu entsorgen hatten. Und jene Substanz war auf jeden Fall besser abzubauen als gelegentliche fremde Plastikabfälle oder Coladosen.
Jeder Mensch macht gelegentlich einen Fehler. Bei Ben war es der, dass er die drei Mädchen, die vielleicht 16 und somit zwei Jahre älter als er waren, an jenem Julinachmittag nicht ernst genommen hatte. Das heißt, Ben war einfach zusehr in seine Ameisensuche vertieft, als sie auf dem Weg vorübergingen. Also sein nur noch halb hinhörendes Unterbewusstsein hatte gleich auf Weitermachen geschaltet. Die Viecher spielten, seit er sie für sein Spiel wollte, oft nicht mit. Es war, als ob er mit hochgestrecktem Penis darauf wartete, dass ihn eine Pferdebremse dorthinein gestochen hätte. Wahrscheinlich wäre er vorher am ganzen Körper zerstochen worden.

Pickel steht auf (1)

Veröffentlicht: 25. Mai 2013 von roger in romatische Jugendprosa

Pickel hatte Angst. Eigentlich war das zu seinem ersten Ich geworden. Er sammelte Zeitungsartikel über jugendliche Amokläufer, wenn mal was bekannt wurde, und dann dachte er, die sind so wie ich, aber die ziehen es wenigstens durch bis zum Schluss. Selbst dazu fehlt mir der Mumm.
Nein, Pickel, der laut Ausweis Benjamin Brandlochner hieß, aber seitdem seine Familie in die Nähe Berlins gezogen war, von allen nur Pickel gerufen wurde, hatte keine Ahnung, was im Kopf so eines Amokläufers vor sich ging. Er malte sich nur aus, was wohl in seinem Kopf vorgehen würde, wäre er einer. Einmal hätten ihn alle zur Kenntnis nehmen müssen. Sie hätten ihn gefürchtet. Das war fast so gut, wie geachtet zu werden. Er wusste schon nicht mehr, wie es angefangen hatte. Hatte er am ersten Schultag etwas Verkehrtes gesagt? War es sein Dialekt gewesen, den die anderen bayrisch nannten, obwohl er doch aus Stuttgart kam? Anfangs hatte er sich noch gewehrt. Dann aber hatte er immer mehr vorausgesetzt, dass man ihn ablehnte.
Richtig schlimm wurde es erst, als er sich für Mädchen zu interessieren begann. Das konnte ja nicht gut gehen: Man, also Mann, interessierte sich zwar für Mädchen, war sich aber sicher, dass die sich nicht für ihn interessierten, und wahrscheinlich war er von Natur aus, wenn es denn so etwas gab, sowieso schon ein schüchterner Einzelgänger.
Ihm gelang es einfach nicht, zu einem Mädchen Blickkontakt aufzunehmen. Irgendwie versuchte er es zwar, aber immer so, dass das Mädchengesicht ein Lächeln überzog, für das es in Pickels Logik nur eine Erklärung gab: Sie lachte ihn aus. Worüber sie wirklich lachte und ob überhaupt, spielte überhaupt keine Rolle.
Natürlich hatte Pickel entschieden, dass er kein Boxershortstyp sein konnte. Er schwamm schlechter als die meisten anderen Jungen, er trug keine Merkmale übergroßer Männlichkeit unter der Alltagskleidung. Schlicht gesagt: Hätte er denn eine Clique angehört, hätte er darin keine positive Rolle gespielt. Da er keiner angehörte, war die Wahrscheinlichkeit noch größer, dass er an einem der Strände in der Nähe der Siedlung gehänselt werden würde. Meinte er.