Der Weg zur Amalthea (Sowjetische phantastische Erzählungen)

Veröffentlicht: 23. März 2013 von roger in Rezension

Eine Anthologie mit Erzählungen unterschiedlicher Autoren zu unterschiedlichen Thematiken setzt voraus, dass jedem Leser nicht alle Geschichten gleich gut gefallen. Anthologien aus „realsozialistischen“ Zeiten haben einen praktischen Vorteil: Sie werden nicht durch urheberrechtliche Fragen eingeschränkt. Ein weiterer: Die Herausgeber / Lektoren hatten eine gute Geschmacksbildung hinter sich. Denn eine Anthologie mit Texten aus einem „Bruderland“setzte ja einen Kenntnisreichen voraus, der die Texte aussucht und mindestens einen, der sie überträgt.
Insofern lohnen sich solche Bücher immer. Ganz ohne Perlen geht so ein Werk nicht.
Zu DDR-Zeiten gab es bereits ein Begriffsproblem: Der englische Ausdruck „Science Fiction“ (Fiktion) war verpönt. Wissenschaftlich-phantastisch üblich, utopisch häufig, wobei letzteres eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Verhältnissen als Schwerpunkt hatte.
Beim Untertitel zu diesem Bändchen muss man aufpassen: Da steht nur „phantastisch“ und dass das nicht als Werbung gemeint war, versteht sich von selbst. Der vorsätzliche Verzicht auf das „wissenschaftlich“ wirkt hier positiv. Alle Geschichten enthalten zumindest eine Prise verschmitztes Lächeln / Grinsen. Da darf die Idee durchaus absurd sein, Hauptsache sie ist etwas grotesk, seltsam, anregend zum Kopfschütteln. Skurril, ja, das auch. Mich überzeugten die nicht zu langen Geschichten am meisten. Sie ließen sich am Stück auf eine meist eigensinnige Pointe hin verfolgen. Ich weiß nicht, was Fans von „Per Anhalter durch die Galaxis“ tatsächlich zu diesem Band sagten. An sich müssten sie DIESE Art des feinen Humors auch mögen.
Etwas hoffentlich Unbeabsichtigtes scheint noch durch: Die Welt ist etwas sehr Sowjetunion, also die Helden selbst in fernen Galaxien stammen für mein Gefühl zu oft von dort. Aber auch dort mit Kopfschütteln: In dieser „Sowjetunion ist „Futorologie“ in.
Die meisten Pointen sind überraschend. Die am wenigsten überraschende ist die vom sowjetischen Ungeheuer von Loch Ness – man brauchte sich nur die Frage stellen, welches die absurdeste Lösung mit (hier ausnahmsweise) didaktischen Zeigefinger wäre …

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